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TNT spricht Klartext

Das vorläufige Nachtflugverbot in Frankfurt hat auch in benachbarten EU-Ländern zu heftigen Reaktionen geführt. Etwa beim Expressdienstleister TNT Airways am belgischen Flughafen Lüttich. Dieser Airport ist zwar 24 Stunden für den Flugbetrieb geöffnet, doch die gerichtlich verfügte Schließung Frankfurts in den Nachtstunden könnte auch in anderen EU-Ländern eine Lawine auslösen, befürchtet Niky Terzakis, Geschäftsführer der TNT Airways S.A., die auf dem wallonischen Airport beheimatet ist.

Niky Terzakis, Geschäftsführer der TNT Airways S.A.

„Die nächtliche Sperrung in Frankfurt empfinde ich als völlige Ungerechtigkeit und große Schweinerei gegenüber der Luftfahrt und der Wirtschaft insgesamt.“ Mit diesen deutlichen Worten kommentierte Terzakis die jüngste Entscheidung des Kasseler Verwaltungsgerichtshofs, den Flugbetrieb auf dem bedeutendsten europäischen Frachtflughafen zwischen abends 23 Uhr und morgens um fünf Uhr zu untersagen. Der Manager befürchtet, dass dadurch möglicherweise ein Präzedenzfall geschaffen worden sei, der die Schleuse für weitere Betriebseinschränkungen oder nächtliche Sperrungen von Airports nicht nur in Deutschland, sondern an anderen europäischen Standorten öffnen könnte.

Für den Leiter von TNT Airways führen Beschlüsse wie das Kasseler Urteil zu einer Art Aufbauhilfe Nahost. „Die Schwächung unserer eigenen Verkehre durch Politik oder Gerichte ist praktisch eine indirekte Förderung von Drehscheiben wie Dubai und Abu Dhabi und für die dort beheimateten Fluggesellschaften.“ Denn die Konsequenz solcher Entscheidungen sei, dass die Luftfracht auf andere Laufstrecken ausweiche. Da böten sich beispielsweise die schnell wachsenden und staatlich geförderten Luftverkehrsknoten in der Golfregion an. Die absehbare Konsequenz für den Manager: „Europa geht so langsam, aber sicher den Bach runter.“

TNT Airways verfügt über 44 Frachter, die alle in Lüttich stationiert sind. Darüber hinaus nutzt der Expressdienst über Zuladungsvereinbarungen die Kapazität zahlreicher Fluglinien für die Beförderung der eigenen Sendungen, unter anderem Lufthansa, Air France-KLM, United Airlines oder South African Airways. Am Standort Lüttich beschäftigt das Unternehmen 2.300 Mitarbeiter.

Nur etwa zehn Prozent aller am dortigen Flughafen von TNT abgewickelten Im- und Exporte bleiben in Belgien oder kommen aus dem Land. „Die Masse unserer Güter beziehen wir aus den Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich sowie den Niederlanden oder sie sind für dortige Importeure bestimmt.“

Seit 1998 ist Lüttich die Heimatbasis des Expressdienstes. Seitdem wächst die Mitarbeiterzahl kontinuierlich, von ehemals 550 Beschäftigten auf heute 2.300. „Wir erfahren hier große politische Unterstützung über Parteigrenzen hinweg“, lobt Terzakis, „was uns Planungssicherheit für künftige Entwicklungen gibt.“ Bis 1998 war der Integrator auf dem Flughafen Köln/Bonn stationiert. Nach umfangreichen Standortvergleichen hat sich das Unternehmen dann für den Umzug nach Lüttich entschieden. Einerseits habe dafür die vergleichsweise günstigere Kostenbasis gesprochen, die der wallonische Airport bietet. Zweitens sei seinerzeit noch unklar gewesen, ob Nachtflüge in Köln/Bonn auch längerfristig möglich sein würden. Das war damals nicht abschließend klar, „sodass wir diesen Punkt als Unsicherheitsfaktor auf unserer Checkliste pro oder kontra Umzug vermerken mussten.“