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Spediteure zeigen Flagge

Die Produzenten werden kräftig Druck machen, ist sich Geschäftsführer Thorsten Hölser vom SLV sicher. Und zwar auf ihre Spediteure, falls auf Rhein/Main Nachtflüge nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt möglich sein sollten. Druck, ihre Hauptaktivitäten an ein Frachtdrehkreuz zu verlagern, auf dem Flugverkehr rund um die Uhr die Regel ist. Etwa Paris oder Amsterdam. „Für ihre eng getakteten interkontinentalen Lieferketten brauchen beispielsweise Ersatzteilhersteller und Pharmaproduzenten diese Voraussetzungen“. Großlogistiker hätten aufgrund ihrer breit gefächerten geografischen Präsenz damit kein Problem. Wie etwa der Paketdienst Federal Express, der in Frankfurt seine Sachen packt und zum Airport Köln/Bonn abwandert.
Der Schritt eines Großlogistikers, welcher der Mehrzahl der kleinen Dienstleister im Transportsektor und wohl manchem Mittelständlern verstellt ist. Für viele dürfte eine restriktive Nachtflugregelung in Frankfurt erhebliche wirtschaftliche Einbußen zur Folge haben. Teilweise kann dies auch zum Aus ihres bisherigen Geschäftsmodells führen und sogar das Ende ihrer Existenz bedeuten, lautet die ernüchternde Prognose des Verbandschefs. Einen Aufschwung werden dann höchstens noch die Arbeitsagenturen erleben, aufgrund des damit verbundenen massiven Arbeitsplatzabbaus, befürchtet er.

Interkontinentale Lieferketten brauchen einen reibungslosen Nachtflugbetrieb

Dabei sei vielen Unternehmen diese Gefahr noch nicht recht bewusst. „Sie schauen nur wenig über ihren tagesgeschäftlichen Tellerrand“, bedauert Hölser. Denn anders als bei den Großkonzernen gebe es bei den Kleinen keine Stabs- oder Strategieabteilung. Ein Defizit, dem sein Verband durch gezielte Informationen sowie Gesprächsangebote entgegenwirken will. Und durch Aktionen: Etwa die Einbindung der Betriebe in die Unterschriftenkampagne der Initiative „Die Fracht braucht die Nacht“. Solche Aktionen hätten mobilisierende Effekte und würden die Firmen stärker für die Nachtflugfrage sensibilisieren, glaubt Hölser.
Von den rund 400 Mitgliedsunternehmen seines Verbandes hat rund ein Drittel die Luftfracht als Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit. Die klare Mehrheit davon wiederum seien so genannte KMUs, also Kleinunternehmen und Mittelständler, sagt der Geschäftsführer. Die im vergangenen Juli erfolgte Gründung der Initiative und die Mitgliedschaft seines Verbandes seien auf sehr breite Zustimmung innerhalb seiner Organisation gestoßen. „Das merkt man deutlich bei Gesprächen mit Geschäftsführern und Niederlassungsleitern der einzelnen Speditionen“, betont Hölser.
Auch berichtet der Manager von regelmäßigen Treffen mit Politikern aus Hessen und Rheinland-Pfalz. Dauerthemen dort: Flughafenausbau in Frankfurt, Mediationsverfahren, Nachtflugregelung. Als vorläufigen Erfolg nennt Hölser das Planfeststellungsverfahren, das klar den Bedarf an Nachtflügen bestätigt habe. „Da hat die Politik eine gewisse Bewegung gezeigt“, zwischenbilanziert er.
Mehr Bewegung in dieser Frage wünscht der Manager sich jetzt von der breiten Öffentlichkeit. „Viele Bürger sind offenbar der Annahme, wir wollten den Nachtverkehr ausweiten. Dabei geht es uns ausschließlich um ein ausgewogenes Mindestmaß an Bewegungen auf Rhein/Main“, stellt Hölser klar. Und damit deutlich weniger als die heute noch üblichen rund 50 bis 60 Flüge in der Kernnacht von 23 Uhr abends bis morgens 5 Uhr im Schnitt.