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„Schnelligkeit ist unser Trumpf …“

„… und der Flugbetrieb rund um die Uhr“, sagt Yvonne Boag von der Nightexpress Luftverkehrsgesellschaft mbH.

Yvonne Boag von Nightexpress

Yvonne Boag von Nightexpress

Zwei Shorts 360 und eine Beech 99: Nein, groß ist die Flotte der Frankfurter Fluglinie wahrlich nicht. Aber sie füllt, ob tagsüber oder nachts, eine wichtige Nische im logistischen Vollzeitbetrieb aus. Zu erleben jeden Werktag zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Dann starten die Turboprop-Shorts von Deutschlands größtem Airport, um nach Birmingham in England zu fliegen. An Bord befinden sich Maschinenteile, Komponenten für landwirtschaftliche Geräte, elektronische Güter, pharmazeutische Produkte, besonders eilige Kuriersendungen und was sonst noch dringend von Deutschland zu Empfängern im Vereinigten Königreich befördert werden muss. Bis zu 3,2 Tonnen kann jede Short pro Flug mitnehmen. Oder 48 Kubikmeter an Volumenfracht.

Noch bis abends um neun Uhr können Kunden ihre Waren am Sitz der Gesellschaft in der Frankfurter CargoCity Süd anliefern. Kurz darauf sind die Sendungen bereits Richtung Großbritannien in der Luft. „Dieser späte Annahmeschluss kommt unseren Auftraggebern sehr entgegen und unterscheidet uns deutlich von Wettbewerbern“, betont Geschäftsführerin Yvonne Boag. Und fügt hinzu, dass Flexibilität und Schnelligkeit zum Markenzeichen ihres Frachtfliegers geworden seien.

„Der Löwenanteil unserer Dauer- und Ad-hoc-Kunden sitzt im gesamten Bundesgebiet, wobei ein Teil unserer Klienten auch aus der Rhein-Main-Region stammen“, sagt die Managerin. Entsprechend lässt Nightexpress die Frachtstücke bundesweit abholen und nach Frankfurt bringen. Am dortigen Firmensitz in der CargoCity Süd fertigt die Fluglinie die Sendungen in Eigenregie ab, wodurch die Prozesse innerhalb des Flughafens in einer Hand bleiben und folglich zügig ablaufen.

Seit 1984 ist der Nischenflieger schon in Frankfurt ansässig. Derzeit beschäftigt er 35 Mitarbeiter am Standort, darunter einige freiberufliche Piloten und Teilzeitpersonal.

„Wir haben hier auf dem Flughafen Home-Base-Rechte“, hebt die Geschäftsführerin hervor. Was praktisch bedeutet, dass die Fluglinie zu jeder beliebigen Nachtzeit auf Deutschlands größter Cargodrehscheibe starten darf. Nur für Landezeiten gibt es eine dreistündige Sperrfrist zwischen 1.00 und 4.00 Uhr, weshalb die beiden aus Birmingham zurückkehrenden Shorts jeweils zwischen 4.10 und 4.15 Uhr auf ihrem Heimatflughafen aufsetzen. – Mit britischen Waren für deutsche Abnehmer an Bord.

Die Linienflüge tragen rund 55 Prozent zum Gesamtgeschäft der kleinen Airline bei. Für die übrigen Anteile sorgen Charterflüge – das zweite Standbein der Gesellschaft. „Die Aufträge für Bedarfsflüge kommen oft sehr kurzfristig rein“, sagt die gebürtige Schottin Yvonne Boag. Um hinzuzufügen, dass einige ihrer Piloten immer rund um die Uhr in Bereitschaft seien, um mit der Beech 99 oder – wenn verfügbar – einer der Shorts sofort zu starten.

Besonders dieses Geschäftsfeld sieht sie gefährdet, sollte das Bundesverwaltungsgericht nächtliche Flüge in Frankfurt völlig untersagen oder sehr stark limitieren. „Ein gewichtiger Teil unserer Kernaktivitäten würde damit wegbrechen, weil wir Charterwünsche von Kunden dann nicht mehr umgehend realisieren könnten“. Ein Ausweichen auf andere Plätze mit 24-Stunden-Verkehr ist für sie keine Alternative, da Frankfurt aufgrund seiner zentralen Lage in Deutschland und der ausgebauten Infrastruktur für die gesamte Cargoindustrie als Luftfahrtdrehscheibe zum Umschlag von Gütern konkurrenzlos ist.

Zugleich betont die Managerin, dass mögliche Nachtflugbegrenzungen in Frankfurt den Linienbetrieb von Nightexpress ebenfalls massiv behindern würden. So bei kritischen Wetterlagen, verspäteter Frachtanlieferung oder falls der Großraum London wegen starken Verkehrsaufkommens temporär gesperrt sein sollte, was eher die Regel als die Ausnahme ist. Dann müssen die Shorts zwangsläufig irgendwann nach Mitternacht von Frankfurt in Richtung Birmingham starten, um die Laufzeiten für die Sendungen einzuhalten. Wie etwa am 8. Dezember im vergangenen Jahr, als einer der Nightexpress-Frachter erst um 2.35 Uhr abheben konnte. Starker Schneefall hatte den Flugbetrieb in Frankfurt völlig durcheinandergewirbelt, zum wiederholten Mal in diesem Winter.