Örtliche britische Planespotter wissen es: Jede Nacht gegen 23.30 Uhr Ortszeit landen zwei Shorts auf dem Flughafen von Birmingham. Die Frachtflugzeuge kommen aus Frankfurt, wo sie abends um zehn Uhr starten. „Wir bringen Ersatzteile für die Autoindustrie, eilige chemische Erzeugnisse, von britischen Arztpraxen und Optikern bestellte Kontaktlinsen, medizinische Produkte und Kuriersendungen nach England“, sagt Yvonne Boag. Die gebürtige Schottin ist Geschäftsführerin der in Frankfurt ansässigen Frachtfluglinie Nightexpress GmbH. Nachtflüge zwischen Frankfurt und Birmingham, sagt sie, seien Geschäftsgrundlage ihres Unternehmens, weil viele zeitkritische Waren am Folgetag bei den Empfängern sein müssten. Diese Transport- und Zustellkette habe sich über die Jahre eingespielt; sie werde sowohl von den Herstellern als auch von den Abnehmern der Produkte verlangt.

Jörn Ewert, Vertriebschef N.E. Nightexpress Ltd.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt sich jede Nacht von montags bis freitags. Sind die Shorts mit ihren Waren an Bord gelandet, werden die ankommenden Packstücke umgehend in die direkt auf dem Vorfeld des Flughafens parkenden Sprinter lokaler Spediteure umgeladen. Mit den Gütern an Bord fahren diese anschließend zu ihren regionalen Distributionszentren. Dort werden die Sendungen sortiert und entsprechend ihren Endzielen zu gebündelten Einheiten zusammengestellt. Noch in derselben Nacht erfolgt der Weitertransport, ob nach London, Manchester oder Glasgow. „Das Zustellnetz erstreckt sich über das gesamte Vereinigte Königreich“, sagt Managerin Boag. Sogar bis Irland. Nur werden die in Birmingham per Nightexpress angelandeten Güter mit Ziel Dublin oder Cork dort auf den Anschlussflug einer Partner-Airline transferiert, die sie auf die Grüne Insel bringt.
Sendungen im Gewicht von durchschnittlich zwanzig Tonnen werden von den beiden Shorts jede Woche nach England geflogen. Für den Nachlauf der Sendungen sorgt neben örtlichen Spediteuren auch die britische N.E. Nightexpress Ltd., ein rechtlich selbstständiges Schwesterunternehmen der Frankfurter Gesellschaft. Deren deutscher Vertriebschef Jörn Ewert spricht von einem „Türservice, den wir unseren Kunden bieten“. So verfügt seine Firma über mehrere Fahrzeuge, die vor allem Expressgüter, aber auch hocheilige Ersatzteile oder medizinische Proben direkt zu den Endkunden befördern. Bis zu den britischen Midlands im Raum Nottingham brauchen die Wagen nur eine Stunde. In den nordenglischen Metropolen Liverpool, Manchester oder Leeds kommen sie gegen vier Uhr früh an. „Wir fahren auf Wunsch unserer Kunden aber jedes einzelne Ziel in Großbritannien an, ob in England, Schottland oder Wales“, sagt Ewert.
Zurück von Birmingham nach Frankfurt starten die Shorts rund eine Stunde nach Mitternacht örtlicher Zeit, um gegen vier Uhr früh in Frankfurt zu landen. „Das Aufkommen auf dieser Strecke ist deutlich geringer als auf den Hinflügen“, sagt Geschäftsführerin Boag. Mit „durchschnittlich sieben Tonnen wöchentlich“ beziffert sie die Menge. Auch hier handelt es sich ausnahmslos um eilige Güter, ob Flugzeugersatzteile für eine deutsche Ferienfluggesellschaft, Expresssendungen oder dringend benötigte Materialien für die hiesigen Pharma- und Chemiehersteller. Den Nachlauf der Güter organisiert ihre Nightexpress ebenfalls. An Kunden mit Sitz im Rhein-Main-Gebiet werden die aus England eingeflogenen Sendungen bereits am Morgen des Ankunftstags ausgeliefert.