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Werden Lieferketten unterbrochen, wandern Firmen ab


Norbert Hardt GEODIS

Norbert Hardt, GEODIS

Durch weitere Einschränkungen des Nachtflugverkehrs an großen deutschen Cargodrehscheiben, wie beispielsweise Rhein-Main oder Köln/Bonn, werden Logistikketten zwangsläufig unterbrochen. Leidtragende sind speziell jene Industrien, die aus Wettbewerbsgründen auf zeitkritische Sendungsabläufe angewiesen sind. Es kommt zu einer Entwertung regionaler Standorte sowie potenziellen Verlagerungen wirtschaftlicher Aktivitäten, verbunden mit Arbeitsplatzrisiken. So die zentralen Thesen von Norbert Hardt, dem früheren IBM-Manager und seit Ausgliederung der Logistiksparte aus dem IT-Konzern verantwortlicher Leiter bei GEODIS für die Großregion Europa, Afrika und den Nahen Osten.

Als Beispiele nennt der gebürtige Hesse die Hightech- und Pharmabranche, Energieversorger sowie Finanzdienstleister. Deren Klientel erwarte die Einhaltung von verbindlichen Terminvereinbarungen, etwa bei der Zustellung von dringend benötigten Ersatzteilen. „Denken Sie an Geldautomaten, die aufgrund technischer Defekte kurzfristig ausfallen und dringend repariert werden müssen, weil die Bankkunden dies von ihren Instituten erwarten“, nennt Hardt ein konkretes Feld, bei dem sofortiges Handeln unumgänglich ist. „Wenn ein derartiger Schaden nicht innerhalb kürzester Zeit behoben ist, verstößt der Vertragspartner gegen das vereinbarte Serviceabkommen“, weiß Hardt aus langjähriger Erfahrung. In diesem Zusammenhang spricht der Manager von sogenannten Designed Networks. Das sind internationale Lieferketten, die auf die speziellen Anforderungsprofile von Unternehmen zugeschnitten sind.

Es handelt sich zumeist um äußerst komplexe und genau aufeinander abgestimmte logistische Dienstleistungen, die Vor- und Nachläufe der Waren per Lkw, den Lufttransport und die zeitdefinierte Umladung an zentralen Schnittstellen beinhalten, teilweise auch in Kombination mit See-Luft-Verkehren. „Diese Prozesse sind mit einer globalen Kette vergleichbar, bei der ein Glied mit dem anderen eng verzahnt ist. Bei Unterbrechungen oder Ausfällen innerhalb der Kette, etwa durch die nächtliche Schließung von bedeutenden Luftfracht-Umladeplätzen wie Frankfurt am Main, ist, aufgrund der Abhängigkeiten, der gesamte Prozess aufwendig neu zu gestalten“, so Hardt.
Diese anspruchsvollen Dienstleistungen, von denen die Verbraucher letztlich profitierten, seien großen Teilen der Öffentlichkeit gar nicht bewusst. Die Konsequenz sei, dass die Logistikbranche von vielen Menschen zwar als notwendig, aber eher als störend empfunden würde, so Hardt.
„Auch mit Flugzeugen können die Haltergesellschaften nur dann Geld verdienen, wenn diese möglichst durchgängig operativ genutzt werden“, zeigt Logistiker Hardt hohes Verständnis für die Bedürfnisse der Airlines.

Gleiches gilt für die Bodeninfrastruktur, die hohe Investitionen erfordert und sich bei nächtlichem Leerlauf nicht amortisiert. „Zwischen den Flugaktivitäten und den Abläufen in den Umschlagshubs oder im Umfeld von Konsolidierungszentren gibt es einen sehr direkten Zusammenhang“, so Hardt. Dies gilt speziell für zeitkritische Transporte, also Expresssendungen, Komponenten für die Hightechindustrie oder temperatursensible Produkte. Werden diese Güter nicht umgehend umgeschlagen, entstehen Verzögerungen innerhalb der globalen Lieferketten, die von den Kunden nicht akzeptiert würden. „Dann können die Logistikdienstleister die anspruchsvollen Vertragsvereinbarungen und fest zugesicherten Serviceparameter nicht mehr einhalten. Dies zwingt die Unternehmen, alternative Transportwege zu erschließen, hin zu Luftfrachtdrehscheiben mit entsprechendem Serviceangebot und durchgängigen Aktivitäten“, benennt Hardt die drohenden Konsequenzen.

Norbert Hardt
Der im hessischen Weilburg geborene Manager war langjähriger Logistikleiter von IBM Deutschland. Seit Ausgliederung der Logistik-Division aus dem globalen IT-Konzern und deren Verkauf 2008 an GEODIS/SNCF ist Hardt dort als Leiter des Bereichs „Supply Chain Optimization“ für Europa, den Nahen Osten und Afrika tätig.

Über GEODIS
GEODIS, der globale Transport- und Logistikdienstleister, ist ein Tochterunternehmen der SNCF-Gruppe. Die europäische Unternehmensgruppe agiert weltweit und ist die Nummer vier in Europa. GEODIS übernimmt die Koordination der gesamten Logistikkette von Luft- und Seefracht über Kontraktlogistik, Stückguttransporte, Transporte, Rückhollogistik bis hin zur Supply-Chain-Optimierung. So unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei strategischen, geografischen und technologischen Entwicklungen und ist mit multimodalen, maßgeschneiderten Lösungen in der Lage, deren Waren- und Informationsfluss zu optimieren. GEODIS bietet eine Vielzahl logistischer Dienstleistungen an, die auf die speziellen Bedürfnisse der einzelnen Branchen ausgerichtet sind. Das Unternehmensnetzwerk deckt 120 Länder ab und liefert mit 29.600 Mitarbeitern eine Fülle an interkultureller Erfahrung, echte Nähe zum Kunden und herausragende Flexibilität. GEODIS erzielte im Jahr 2009 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.