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Nicht nachvollziehbar

Klare Worte findet Oliver Krautter für das von den Kasseler Richtern verhängte vorläufige Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen: „Nicht nachvollziehbar“ sei diese Entscheidung. Der Stuttgarter Niederlassungsleiter des Mittelständlers Quick Cargo Service GmbH (QCS) spricht von einer wirklichkeitsfremden Entscheidung der Justiz. Als Beleg für seine Kritik verweist der Spediteur auf zeitkritische und temperatursensible Waren, die rund um die Uhr geflogen werden müssen. Wenn nicht über Frankfurt, dann in Zukunft über einen anderen Flughafen. Oliver Krautters Stellungnahme im Wortlaut:

Oliver Krautter

Oliver Krautter, Niederlassungsleiter der Quick Cargo Service GmbH

„Die unmittelbar vor Inkrafttreten der Winterflugplanperiode vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof überraschend verkündete totale Nachtflugsperre für den Frankfurter Flughafen schädigt den gesamten Wirtschafts- und Logistikstandort Deutschland schwer. Praktisch zeitgleich mit der Entscheidung der Kasseler Richter verkündet Peking den Bau eines neuen Airports mit bis zu fünf Landebahnen, der – selbstredend – rund um die Uhr geöffnet sein wird. Hier Stillstand, dort Aufbruch. Dieses Beispiel müsste jedem vor Augen führen, welche dramatischen Auswirkungen derartige Beschlüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten und – mehr noch – ganzen Volkswirtschaften haben werden. Das Nachtflugverbot in Frankfurt ist das augenfälligste Beispiel dafür, wie eine führende Drehscheibe für den Güterumschlag durch fehlende politische Weitsichtigkeit und einseitig ausgerichtete Gerichtsbeschlüsse von den globalen Lieferketten graduell abgeschnitten wird.

Die parallelen Entscheidungen in Peking und Kassel belegen, dass wir in Sachen Infrastruktur hier in Deutschland auf dem besten Wege ins Abseits sind. In dieses Bild passt auch, dies nur am Rande, die Auseinandersetzung über das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Aus meiner Sicht ist dies ein äußerst innovatives Bauvorhaben, welches den Logistikstandort Baden-Württemberg aufwerten wird. Das jahrelange Gezerre dürfte bei ausländischen und neutralen Betrachtern den Eindruck verstärken, dass das Hochtechnologieland Deutschland sich langsam, aber stetig in ein Museum verwandelt. Nach der mehrheitlichen Zustimmung der Baden-Württemberger in der jetzt erfolgten Volksabstimmung ist zu hoffen, dass Tiefbahnhof und Trassen endlich zügig weitergebaut werden.
Diese Anmerkungen zu Frankfurt und Stuttgart 21 sind vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die von den deutschen Unternehmen produzierten Exporte, aber auch die Einfuhrmengen, nach allen Prognosen in den kommenden Jahren weiter ansteigen werden. Umso notwendiger sind nächtliche Transporte, nicht nur auf der Schiene oder Straße, sondern auch per Flugzeug. Denn insbesondere eilige Güter wie Ersatzteile oder Pharma- und medizinische Produkte sind auf sofortige Lufttransporte angewiesen. Ich denke beispielsweise an Mexiko, wo rund 70 Prozent unseres in Baden-Württemberg für dieses Zielland generierten Sendungsaufkommens aus Komponenten für die Automobilindustrie besteht. Oder an Kühlprodukte, die wir bei Minusgraden zwischen 28 und 10 Grad unter null permanent in die USA sowie nach China fliegen. Bleiben sie länger an einem Flughafen liegen, könnte dies zu enormen Qualitätsproblemen führen. Denn das Trockeneis in den Containern garantiert diese äußerst niedrige Temperaturspanne nur für die Dauer von 72 Stunden. Andernfalls muss die gesamte Sendung vernichtet werden, was hohe Regressansprüche und damit enorme finanzielle Folgen verursacht. Daher haben wir unsere Laufketten zeitlich ganz genau durchgetaktet; Verzögerungen sind folglich nicht tolerabel.

Hätte das Nachtflugverbot dauerhaft Bestand, wird sich die Luftfracht alternative Wege suchen. Für unsere Stuttgarter Niederlassung von Quick Cargo bedeutet dies ganz konkret, dass wir unsere Güter in Zukunft vermehrt über Amsterdam, Paris oder auch Leipzig abfliegen lassen werden, um Zeitverluste zu vermeiden. Denn bei einer Streichung der nächtlichen Frachterflüge kommt es zwangsläufig zu Kapazitätsengpässen auf Rhein-Main. Diese können wir uns im Interesse unserer Kunden aber nicht leisten. Am meisten wird unter diesen Verlagerungsprozessen die Lufthansa Cargo leiden, an der die Sendungen dann vorbeilaufen.“