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Jost Hellmann

Jost Hellmann, geschäftsführender Gesellschafter Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG

„Nachtflugverbote schwächen den Standort“

Jost Hellmann, geschäftsführender Gesellschafter des weltweiten Logistikanbieters Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, im Gespräch.

Herr Hellmann, hätte ein Nachtflugverbot in Frankfurt oder eine starke Verkehrseinschränkung in den Nachtstunden Auswirkungen auf die Luftfrachtprozesse Ihres Unternehmens?

Ein Nachtflugverbot führt zwangsläufig zur Schwächung des Cargostandorts Frankfurt, da viele Airlines weltweite Umläufe ihrer Frachtflugzeuge planen. Die Einschränkungen der Flüge in der Nacht würden damit zu einem Wettbewerbsnachteil für Frankfurt führen und andere Standorte begünstigen.
Dies hätte damit auch negative Auswirkungen auf die Luftfrachtabwicklung in unserem Unternehmen.

Sollte es in Frankfurt so kommen, was wären nach Ihrer Meinung die konkreten Folgen für die deutsche Wirtschaft?

Frankfurt ist zurzeit der wichtigste Frachtflughafen in Zentraleuropa. Die Anbindung an alle Wirtschaftszentren der Welt ist eine Voraussetzung für den Erfolg der deutschen Exportwirtschaft und im Rahmen der Globalisierung auch für die globale Beschaffungslogistik deutscher Schlüsselindustrien. Eine Verlagerung von Frachtflügen wirkt sich damit auch direkt negativ auf die Lieferketten wichtiger Industriebereiche aus. Komplexere Transportwege, höhere Transportrisiken und längere Transportzeiten wären die Folge, was die deutsche Wirtschaft schwächen würde.

Gerichte haben in jüngster Vergangenheit die nächtlichen Betriebszeiten von Flughäfen aus Lärmschutzgründen zunehmend eingeschränkt. Dies belegen die Beispiele Leipzig/Halle oder der künftige Berliner Airport BBI, der nachts geschlossen bleiben muss. Halten Sie diese Entwicklung grundsätzlich für richtig oder für eher problematisch?

Die technischen Maßnahmen zur Lärmreduzierung, wie etwa die technische Lärmdämmung von Triebwerken, Anflugsysteme et cetera haben schon zu deutlichen Reduzierungen der Lärmbelastung geführt. Der wirtschaftliche Betrieb eines Großflughafens wie Frankfurt kann auf Dauer nur gewährleistet werden, wenn durchgehende Betriebszeiten möglich sind.

Für andere Flughäfen wie Berlin oder Leipzig sind die lokalen Rahmenbedingungen anders und auch auf dem Hintergrund des Passagier- und Frachtaufkommens zu bewerten.

Haben Sie diesbezüglich Erwartungen an den Gesetzgeber in Berlin?

Die wichtigste Anforderung an den Gesetzgeber ist eine langfristige Planungssicherheit für alle Beteiligten. Das Beispiel Frankfurt zeigt deutlich, dass durch eine unsichere Gesetzeslage wichtige Infrastrukturprojekte wie beispielsweise das neue Lufthansa Cargo Center Frankfurt verschoben oder sogar infrage gestellt werden.

Jost Hellmann ist geschäftsführender Gesellschafter des weltweiten Logistikanbieters Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG. Der gebürtige Osnabrücker, Jahrgang 1953, studierte nach dem Abitur Jura an der Universität Münster. Es folgten Auslandsaufenthalte und Praktika. 1981 gründete der Manager die Firmenniederlassung in Hongkong. Damit war der Grundstein für die weltweite Entwicklung des Logistikers gelegt. Es schloss sich ein mehrjähriges Engagement in den USA an, wo Jost Hellmann das Nordamerikageschäft sowie das globale Netzwerk seines Unternehmens weiter vorantrieb. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Hamburg nieder, von wo aus er das See- und Luftfrachtgeschäft managt sowie die Netzwerkentwicklung. Heute ist Hellmann Worldwide Logistics in 48 Ländern mit 211 eigenen Niederlassungen vertreten. Jost Hellmann ist verheiratet und Vater zweier Kinder.