Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der hessische Minister für Bundesangelegenheiten Michael Boddenberg haben sich Mitte Januar mit den Arbeitnehmervertretern sowie dem Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa Cargo, Karl Ulrich Garnadt, über die Folgen eines Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen ausgetauscht. Dabei erklärten die Unternehmensvertreter vor allem die Ängste der Lufthansa Cargo und ihrer Mitarbeiter bei einem strikten Nachtflugverbot.

Im Rahmen des Gesprächs mit dem Ministerpräsidenten machte der Betriebsrat der Lufthansa Cargo noch einmal auf die Konsequenzen eines absoluten Nachtflugverbots am Flughafen Frankfurt aufmerksam. „Die Lufthansa Cargo braucht den Mix zwischen Frachtern und den Frachtkapazitäten an Bord der Passagiermaschinen. Ohne diesen Mix hat unser Geschäftsmodell in Frankfurt keine Zukunft. Unsere Mitarbeiter haben Angst um ihre Arbeitsplätze“, so der Vorsitzende des Betriebsrats, Ralf Müller.
Die Mitglieder des Betriebsrats des Bodenpersonals, die Personalvertretung des fliegenden Personals sowie der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Cargo betonten gegenüber Bouffier und Boddenberg erneut, dass der Flughafen Hahn keine Alternative für nächtliche Frachtflüge biete: Zu groß sei der Zeitverlust, wenn die Fracht mit Lkw zwischen Frankfurt und dem Flughafen Hahn befördert werden müsste. Die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen seien angesichts Zehntausender zusätzlicher Lkw-Fahrten nicht zu verantworten, so Personalvertreter und Management von Deutschlands größter Frachtairline.
In dem Gespräch mit den Landespolitikern unterstrichen die Cargo-Lufthanseaten, dass für eine globalisierte Produktion eine Just-in-time-Belieferung, auch in der Nacht, unverzichtbar sei. Entscheidend sei bei vielen Transporten der sogenannte Nachtsprung, bei dem die Zeitverschiebung ausgenutzt wird. Eine Sendung von Europa in die USA kann so über Nacht befördert werden und steht dem Empfänger am frühen Morgen des nächsten Arbeitstags zur Verfügung.
Arbeitnehmervertreter und Vorstand betonten die Bedeutung des Frankfurter Flughafens als eines der wichtigsten Luftfrachtdrehkreuze der Welt. „Ein Nachtflugverbot würde den Standort Rhein-Main erheblich schwächen. Es ist zu erwarten, dass viele Produktions- und Logistikunternehmen ihre Aktivitäten ins europäische Ausland verlagern“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Cargo. Die Auswirkungen für die Beschäftigten wären immens. Gerade in der Luftfrachtindustrie und auch bei Lufthansa Cargo arbeiteten viele Menschen, deren Ausbildung es ihnen nicht erlaube, ohne Weiteres einen neuen Arbeitsplatz in einer anderen Branche zu finden.
Abschließend machten alle Beteiligten deutlich, dass es gelingen müsse, eine für alle Beteiligten vertretbare Lösung zu finden. Dabei gelte es, die Lärmbelastung weiter zu reduzieren und so den Interessen der vom Lärm betroffenen Bürgerinnen und Bürger Rechnung zu tragen.