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Mahle braucht den Nachtsprung

Das weltweite Versorgungsgeschäft des Herstellers von Industriefiltern kennt keine Pausen.

Bilgenwasser – im Seemannsjargon oft Kieljauche genannt. Es sammelt sich als Kondenswasser im unteren Teil der Schiffe. Ab einer bestimmten Menge wird es mit Lenzpumpen in die See abgepumpt. Doch nicht ohne vorher durch eine Trennanlage zu laufen. International vorgeschrieben ist diese seit 2002. Sie filtert die Ölreste und Dieselpartikel aus und separiert die Schmutzstoffe so vom Bilgenwasser.

Die Hamburger Firma Mahle Industriefiltration GmbH, eine Tochter des Stuttgarter Mahle-Konzerns, baut diese Anlagen zur Wasseraufbereitung an Bord von Schiffen. Ihre Produkte reinigen nicht nur die sogenannte Kieljauche, sondern bereiten auch das Balllastwasser wieder auf. Dieses benötigen große Schiffe bei geringer Beladung, um einen für die sichere Fahrt notwendigen Tiefgang zu erreichen. Wird es nicht mehr gebraucht, muss das Nass wieder aus den Tanks ins Meer abgepumpt werden. Auch hier ist die Reinigung gesetzlich vorgeschrieben, da das aufgenommene Balllastwasser biologisch oder chemisch verschmutzt sein kann.
Hält sich eine Reederei nicht an die Vorschriften, kann das teuer werden. „Der Dampfer wird bei Verstößen von der zuständigen Hafenpolizei oder der Coast Guard an die Kette gelegt“, weiß Inna Krüger aus Erfahrung, die Exportchefin von Mahle Industriefiltration.
Bis zu 80.000 US-Dollar kostet solch eine Zwangsvertäuung am Kai – pro Tag. Hinzu kommt der Zeitverlust beim Warentransport. Folglich haben die Schiffshalter ein hohes Interesse an einwandfrei funktionierenden Wasseraufbereitungsanlagen an Bord ihrer Pötte.

Ein Job für Mahle und deren Transportagenten, etwa die Spedition Hartrodt GmbH, „von der wir viele unserer Geräte weltweit versenden lassen“, sagt Managerin Krüger. Es ist oft ein Kampf gegen die Uhr. „Verpasst unsere Sendung beispielsweise den Dampfer im Hafen von Singapur, sodass die Altgeräte nicht vorschriftsmäßig gegen neue ausgewechselt werden können, drohen den zuständigen Reedereien wegen Gesetzesverstoßes horrende Strafzahlungen der örtlichen Behörden“. Weil die Aufträge für die Öl-/Wassertrenner von den Schiffseignern oftmals erst kurz vor einem fälligen Gerätewechsel bei Mahle eingehen, „laufen wir den Schiffen regelmäßig hinterher“, beschreibt Inna Krüger den immensen Zeitdruck für Mahle und die Spediteure.

Ein kompletter Bausatz für die Säuberung von Bilgenwasser an Bord eines Schiffes umfasst elf Elemente und passt auf eine Europalette. Diese wird in aller Regel im Bauch von Passagierflugzeugen von Hamburg nach Frankfurt mitgenommen, wo Langstreckenflieger die Sendung übernehmen und zum Zielort befördern. Das Geschäft läuft rund um die Uhr. Da der Hamburger Flughafen nachts geschlossen ist, fahren Mahles Spediteure die Geräte von der Elbmetropole oft per Lkw zum Abflug nach Rhein-Main. „Oder nach Amsterdam, wenn die Zeitfenster für den Luftfrachttransport dort günstiger sind“, erläutert Krüger. Vielleicht rollen die meisten Lkw mit Mahle-Produkten künftig sowieso Richtung Airport Schiphol. „Falls ein Nachtflugverbot in Frankfurt kommt oder Nachtflüge dort extrem stark eingeschränkt werden sollten, müssen wir im Interesse unserer Kunden zwangsläufig reagieren“, kündigt die Exportleiterin an. Für den Fall beabsichtigt die Mahle Industriefiltration GmbH, Zwischenlager für ihre Öl- und Wassertrenner an Standorten außerhalb Deutschland zu errichten. Das ist im Vergleich zum heutigen Lieferverfahren zwar teurer, aber „wir brauchen den Nachtsprung, um unsere Produkte termingenau zu den jeweiligen Hafenstädten zu fliegen“, begründet sie die Pläne. Denn verlängerte Liegezeiten der Schiffe am Kai gehen richtig ins Geld.