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Die Wettbewerber reiben sich bereits die Hände


Herr Andreas Heil von der Kewill GmbH

Andreas Heil

NL: Kewill plädiert für 24/7-Verkehr auf deutschen Großflughäfen. Warum?

Heil: Zunehmend globalisierte Lieferketten setzen voraus, dass stets die richtigen Güter zur richtigen Zeit am richtigen Ort eintreffen. Nur so kann der wieder erstarkte Wirtschaftsstandort Deutschland seiner Rolle als führender europäischer Logistikdrehscheibe nachhaltig gerecht werden.

NL: Sie befürchten massive Verlagerungen von Expressanbietern, Logistikern und Frachtfluglinien, sollten für immer mehr der hiesigen Flughäfen Nachtflugbeschränkungen verfügt werden. Ist das nicht einseitiger Lobbyismus zugunsten der Transportindustrie?

Schwab:Als einer der führenden Anbieter von Logistik- und Zollsoftware vereinfachen wir die weltweiten Lieferketten zahlreicher nationaler und internationaler Kunden. Folglich versteht es sich von selbst, dass wir uns als Dienstleister für die Logistikindustrie im Rahmen unserer Möglichkeiten auch mit Nachdruck für eine Verbesserung ihrer sonstigen Rahmenbedingungen einsetzen.

Wolfgang Schwab

Wolfgang Schwab

NL: Wie beurteilen Sie die Initiative der neuen Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, die sich für weitgehende Betriebseinschränkungen zum Beispiel in Köln/Bonn ausgesprochen hat.

Heil: Verschiedene Flughäfen sind historisch nun einmal in unterschiedliche Regionalstrukturen eingebettet und können deshalb ökonomisch und ökologisch nur individuell beurteilt werden. Insgesamt ist bundesweit in diversen Bereichen festzustellen, dass politische und wirtschaftspolitische Entscheidungen bei Teilen der Bevölkerung auf zunehmende Proteste stoßen. Wer allerdings an den Stärken von Köln/Bonn rüttelt – am Tage Passagiere, nachts die Fracht – stellt den Airport vor allem für den KEP-Bereich ganz massiv infrage und vernichtet gezielt Arbeitsplätze.

NL: Sprechen wir über Frankfurt: Entstünden Ihrem Unternehmen direkte Nachteile, sollte das Bundesverwaltungsgericht dort nur noch wenige Nachtflüge zulassen oder diese gar gänzlich untersagen?

Schwab: Da unsere Lösungen an allen deutschen Großflughäfen im Einsatz sind, betreffen uns punktuelle Einschränkungen und Verlagerungen im Prinzip wenig. Frankfurt hat jedoch aufgrund seiner Funktion als interkontinentale Drehscheibe und seine Einzigartigkeit in der Kombination von Passage und Fracht einen absoluten Sonderstatus. Sonst kaum abbildbare Effizienz ginge bei einem Verbot verloren an andere globale Schwergewichte wie Amsterdam, London oder Paris.

NL: Und aus übergreifender Sicht betrachtet hätte ein solches Gerichtsurteil für Rhein-Main nach Ihrer Meinung absehbare Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Heil: Es versteht sich von selbst, dass eine völlige Verlagerung von täglich bis zu 20 Frachtflügen ins benachbarte Ausland fatale Folgen für uns alle hätte. Sowohl betriebs- als auch volkswirtschaftlich. Zigtausende Arbeitsplätze gingen verloren, die Infrastruktur würde geschwächt, die Flexibilität reduziert und die Wege zum Konsumenten verlängert. Hinzu kommt, dass sich die Wettbewerber offensichtlich schon freudestrahlend die Hände reiben.

Zu den Personen:

Andreas Heil ist Country Manager Deutschland/Schweiz bei der zur britischen Kewill plc. gehörenden Kewill GmbH mit Sitz in Bad Homburg. Heil verfügt über hohe fachliche Qualifikationen im internationalen Wirtschafts-, Finanz- und Logistikbereich. Nach Management-Positionen in den Bereichen Arzneimittel/Medizinprodukte, Reise, Steuerberatung und Werbung war er bis 2009 Director Finance and Operations (EMEA) bei der niederländischen AMS Europe B. V.

Wolfgang Schwab gehört zu den beiden Gründern des 1986 etablierten, 2006 von der Kewill plc. übernommenen und danach in Kewill GmbH umbenannten Zollsoftwarespezialisten CSF GmbH. Schwab ist nach seinem Ausscheiden aus der deutschen Geschäftsführung weiterhin im Kewill-Management tätig und agiert bei der weltweit aktiven Softwaregruppe als Chief Strategy Officer Customs.

Kewill GmbH:
Kewill bietet seit mehr als 35 Jahren Software- und Projektlösungen für Logistikdienstleister, die produzierende Industrie, Groß- und Einzelhändler sowie Zollagenturen an. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen über 600 Mitarbeiter weltweit. Die Lösungen von Kewill werden täglich von mehr als 40.000 Nutzern rund um den Globus eingesetzt.