Elke Wasser weiß es aus Erfahrung: Die überragende Bedeutung des Frankfurter Flughafens als Drehscheibe für die Wirtschaft wird von den Bewohnern der Region häufig verkannt. Es mangelt an Akzeptanz. Werde hier nicht gegengesteuert und komme gar ein Nachtflugverbot, drohe dem Logistikstandort ein schleichender Bedeutungsverlust.

Elke Wasser, Geschäftsführerin der Logistic Training Center GmbH
Ihre Beobachtung: Personalengpässe, wohin man blickt. Es fehlten Sicherheitsspezialisten, Fachkräfte für Lagerlogistik, Luftverkehrskaufleute, Handlingmitarbeiter, Speditionskaufleute, Vertriebsexperten und, und, und.
Die Logistikdrehscheibe Frankfurt wachse, das Arbeitskräftepotenzial hinke allerdings hinterher. Eine Lücke, die ständig größer werde und sich damit zu einem ernsthaften Problem für die Transportbranche und den Flughafen entwickelte. Nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Hamburg, Leipzig oder München.
Die Nachfrage nach Beschäftigten übersteige das Angebot bei weitem. Vermarktungstechnisch gesehen sei das sicherlich eine ideale Situation für Arbeitnehmer. Nicht aber für Firmen, weil es zu wenig geeignete Kandidaten gäbe, um offene Stellen in der Wachstumsbranche Luftfahrt zügig zu besetzen. Das habe nicht nur demografische Ursachen, sondern liege auch daran, dass die Attraktivität und die Vorteile des Luftfahrtstandorts Rhein-Main in der Öffentlichkeit bislang nicht hinreichend verankert seien. So lautet die Einschätzung von Elke Wasser. Sie ist Geschäftsführerin der in Neu-Isenburg ansässigen Logistic Training Center GmbH, eines auf Weiterbildung und Personalbeschaffung im der Logistik spezialisierten Dienstleisters. Umfragen würden belegen, sagt die Managerin, dass die meisten Menschen in der Rhein-Main-Region den Flughafen und sein unmittelbares Umfeld weitgehend negativ sähen. „Welche enormen beruflichen Möglichkeiten er bietet, ob im gewerblichen Bereich oder auf anderen Feldern, wird nach meiner Erkenntnis nicht hinreichend kommuniziert.“
Dass es anders gehe, zeige das Beispiel Hamburg. Dort habe sich die örtliche Logistikinitiative massiv für den Hafen als wirtschaftliches Herzstück der norddeutschen Metropole und die dort tätige Verkehrswirtschaft engagiert. Das Ergebnis: „Wenn man vor Ort mit den Leuten spricht, kommen zum Thema Hafen fast immer positive Rückmeldungen“, sagt Elke Wasser. Entsprechend attraktiv wirke der Standort auf viele Berufsanfänger oder Quereinsteiger.
Die Malaise in Frankfurt zumindest etwas zu mildern ist Ziel Ihrer Logistic Training Center GmbH. Das Unternehmen fungiert quasi als Scharnier im Arbeitsmarkt. „Wir qualifizieren Bewerber mit individuell auf die Branche zugeschnittenen Lehrplänen und vermitteln diese nach erfolgtem Abschluss an Firmen, die Personal dringend suchen“, umreißt Wasser den Kernbereich ihrer beruflichen Praxis. Bewerbern steht ein breites Leistungsangebot zur Verfügung. Es reicht von viermonatigen Vollzeitkursen, in denen Teilnehmer zu Luftfrachtassistenten für Ex- und Importe qualifiziert werden, über eine siebenwöchige Ausbildung von Sicherheits- oder Handlingspezialisten bis zu kürzeren Fachseminaren über Themen wie Zollabfertigung, Gefahrgütertransporte oder das Abrechnungswesen in der Luftfracht. Ziel aller Maßnahmen sei, betont Geschäftsführerin Elke Wasser, den akuten Fachkräftemangel zu entschärfen und den Teilnehmern einen sicheren Arbeitsplatz zu vermitteln. Das ist bisher gelungen, wie die Vermittlungsquote ihrer Logistic Training Center GmbH von 80 Prozent belegt.
Ein gerichtliches Nachtflugverbot in Frankfurt hätte vor allem langfristig massive Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze, weil sich die Fracht neue Wege suchen würde, um wichtige und eilige Güter von Airports abfliegen zu können, die rund um die Uhr geöffnet seien. „Dann werden wir hier einen schleichenden Niedergang der Logistikdrehscheibe Rhein-Main erleben“, ist sich Wasser sicher. Einen Vorgeschmack gab aus ihrer Sicht schon der Vulkan Eyjafjallajökull, der den Flugverkehr tagelang lahm legte: „Noch zwei weitere Wochen und Firmen hätten wegen fehlender Zulieferungen schließen müssen. Auch die Regale in den Supermärkten wären leer geblieben“, glaubt Wasser. Dann wäre vermutlich vielen Einwohnern schlagartig klar geworden, wie wichtig geregelte Luftfrachtverkehre für ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Sicherheit ihrer Jobs seien.