Die Zahlen sind beeindruckend: Zweiundzwanzig Fluggesellschaften landen mit Vollfrachtern derzeit auf dem Amsterdamer Airport Schiphol. Rund 1,5 Millionen Tonnen Cargo wurden dort 2010 ein- oder ausgeladen – plus 17,6 Prozent gegenüber 2009. Und 60 Prozent aller weltweit per Flugzeug transportierten Blumensendungen werden nach AMS, so das IATA-Kürzel des Airports, geflogen und umgeschlagen. Er verfügt über fünf Start- und Landebahnen und ist rund um die Uhr geöffnet. “Wegen der unterschiedlichen Zeitzonen und Arbeitsabläufe auf diesem Globus, die sich nicht nach den lokalen Erfordernissen in Westeuropa richten”, begründet der Flughafen in einer Präsentation die kundenfreundliche Betriebsregelung. Mit dem im Juni 2008 beschlossenen Amsterdam Connecting Trade (ACT) genannten Masterplan schließlich hat das Flughafenmanagement quasi die Weichen für kontinuierliches Wachstum als Drehscheibe für Logistik geschaffen. Spätestens 2030, vermutlich aber bereits 2025, erwartet der Airport, dass die Marke von drei Millionen Tonnen beim jährlichen Frachtumschlag überschritten wird. Sein Platz sei, bringt Airport-Frachtchef Enno Osinga die Bedeutung auf den Punkt, “für uns Niederländer eine Hauptschlagader des Verkehrs” und damit vergleichbar mit dem Hafen von Rotterdam. Diese Ausnahmestellung garantiert den zwei Standorten hohe Sympathiewerte bei den meisten Bürgern und eine besondere Zuwendung seitens der nationalen Politik. Beide Standorte sind über ein integriertes IT-System miteinander vernetzt, das den sofortigen Datenaustausch zwischen den beteiligten Zollämtern garantiert. “Deshalb klappt der Sendungstransfer vom Schiff auf das Flugzeug reibungslos und innerhalb kürzester Zeit”, so Osinga. Dabei hilft auch die geografische Nähe, denn Schiphol liegt nur eine knappe Autostunde von Rotterdam entfernt. “Solche durchlaufenden Sea-Air-Produkte”, beschreibt der Manager die Praxis, “behandelt unser Zoll als integrierte Sendungen.” Dies reduziert Schnittstellen und beschleunigt den physischen Umschlag der Waren.

Das Thema Multimodalität spielt eine weitere wichtige Rolle im Zukunftskonzept des Flughafens. Geplant ist, den Airport an das Euro-Carex genannte Schnellbahnsystem anzuschließen. Das westeuropäische Netz wird sich von Lyon über Paris, Frankfurt, Köln/Bonn, London, Brüssel und Lüttich bis nach Amsterdam Schiphol erstrecken. Ziel ist die Verlagerung eines Teils des Cargo- und Expressaufkommens von der Straße auf die Schiene. Dazu soll die bestehende Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Amsterdam und Antwerpen ausgebaut werden.
Mit diesen Strategien und dem verlässlichen Rund-um-die-Uhr-Betrieb steigert der Amsterdamer Airport seine Wettbewerbsfähigkeit – auch im Vergleich zu deutschen Flughäfen wie Köln/Bonn, München oder Frankfurt.