Eindeutiges Bekenntnis: Branche plädiert für eine Aufhebung des Nachtflugverbots

Roger Crook
Mitglied des Vorstands
Deutsche Post DHL
Ressourcen besser nutzen:
Die Infrastruktur Deutschlands kann nicht unbegrenzt wachsen, vorhandene Ressourcen müssen effi zienter genutzt werden. So kann man zum Beispiel den Zubringerverkehr zu zentralen Logistikdrehscheiben durch flughafennahe Distributionszentren bündeln. Aber auch die bestehende Infrastruktur der Großflughäfen wie Frankfurt lässt sich besser nutzen, wenn sie rund um die Uhr geöffnet bleiben. Wenn wir die wichtigsten Hubs in Deutschland nur 15 oder 16 Stunden am Tag öffnen, verschwenden wir wertvolle Ressourcen. Wir schließen nachts ja auch nicht das Autobahnkreuz Frankfurt oder den Hamburger Hafen. Die Warenströme werden auch in Zukunft immer dorthin abwandern, wo die besten Bedingungen herrschen und wo die Logistik Tag und Nacht funktioniert.

Dr. Christoph Franz
Vorstandsvorsitzender
Lufthansa AG
Ein Minimum an Nachtflügen:
Wir brauchen für unsere Flughäfen wettbewerbsfähige Betriebszeiten, wie in der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung und dem Flughafenkonzept der Großen Koalition versprochen. Die Umsetzung brauchen wir JETZT, nicht erst, wenn Deutschland nachts geschlossen ist. Wir appellieren nochmals mit Nachdruck an Bund und Länder, uns hier zu unterstützen. Fracht ist ein globales Geschäft. Alle Prozessabläufe sind im Weltrhythmus getaktet. Deshalb kommen wir ohne ein Minimum von Nachtfl ügen nicht aus. Einen der größten Frachtflughäfen der Welt Nacht für Nacht sechs Stunden von den globalen Warenströmen abzuschneiden – das ist ein herber Schlag für die gesamte Logistikbranche, für den Wirtschaftsstandort und die Exportnation Deutschland.

Reinhard Lange
CEO Kühne + Nagel
International AG
Sensible Güter können nicht warten:
Kühne + Nagel baut klar auf den Standort Frankfurt. In unserem 14.500 Quadratmeter großen Umschlagzentrum am Flughafen wickeln wir rund die Hälfte des ständig wachsenden Cargo-Aufkommens der Region Zentraleuropa ab. Insbesondere der Lufttransport leicht verderblicher Waren – sogenannter Perishables – hat erheblich zugenommen. Diese Güter – wie Früchte, Gemüse oder Medikamente – erfordern eine reibungslose Logistikkette, da müssen alle Dienstleister auf den Punkt genau liefern. Wenn nachts in Frankfurt nicht mehr geflogen wird, werden wir in jedem Fall auf andere europäische Flughäfen ausweichen. Denn diese sensiblen Waren können nicht warten, bis es wieder Tag wird.

Dr. Karl-Friedrich Rausch
Mitglied des Vorstands
DB Mobility Logistics AG
Investitionen in Gefahr:
DB Schenker hat mehr als 50 Millionen Euro in den Bau einer Anlage auf dem Flughafengelände in Frankfurt investiert und sich damit klar zum wichtigsten Logistikstandort Deutschlands bekannt. 2010 haben wir rund 180.000 Tonnen Luftfracht auf dem Airport umgeschlagen. Das geht nur parallel über Bellytransporte – also im Bauch der Passagierflugzeuge – und Frachtflüge. Da es im eng getakteten Flugplan tagsüber nur wenige Slots gibt, sind für uns Nachtflüge unverzichtbar. Wenn das Bundesverwaltungsgericht das endgültige Nachtflugverbot für Frankfurt verhängen sollte, müssten wir zumindest unsere zeitkritischen Cargo-Sendungen Schritt für Schritt nach Amsterdam und Paris verlagern. Unsere große Investition in den Standort Frankfurt wäre unter diesen Bedingungen kaum noch zu rechtfertigen.

Monika Ribar
CEO Panalpina Welttransport
Flexibilität geht verloren:
Wir betreiben seit Jahren ein eigenes Luftfrachtnetz, mit dem wir einen Teil unseres Luftfrachtaufkommens abwickeln. So können wir den wachsenden Bedarf an großen Frachtraumkapazitäten unserer Kunden aus der Hightech-, Pharma- und Automobilbranche decken. Sie schätzen unsere Flexibilität, denn wir können in Frankfurt Kapazitäten und Flugrouten anbieten, die sonst nicht über den Markt abgedeckt sind. Nachtflüge gehören selbstverständlich zu unserer Leistungspalette. Wenn ein so wichtiger Konsolidierungsflughafen wie Frankfurt jetzt nachts geschlossen wird, müssen wir zwangsläufig auf andere Flughäfen ausweichen. Sonst verlieren wir wichtige Kunden und dringend benötigte Waren kommen nicht rechtzeitig an.

Willem van der Schalk
Geschäftsführer
a. hartrodt (GmbH + Co) KG
Viele Arbeitsplätze in Gefahr:
Das Urteil ist eine Katastrophe, nicht nur für Frankfurt, sondern für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Wir sind als mittelständische Spedition direkt betroffen, da viele unserer Sendungen Nacht für Nacht das Rhein-Main-Gebiet auf Frachtmaschinen verlassen, insbesondere dringend benötigte medizinische Geräte, Automobilteile oder Maschinen. Mit dem Nachtflugverbot haben die Richter viele Arbeitsplätze in Gefahr gebracht. Auf die vielen kostspieligen Sicherheitsbestimmungen, die Luftverkehrssteuer und den geplanten europäischen Emissionshandel folgt nun das Nachtfl ugverbot am wichtigsten Drehkreuz: Deutschland ist auf dem besten Weg, seine Position als führender Logistik- und Luftfrachtstandort zu verlieren.

Matthias Wissmann
Präsident des Verbands der
Automobilindustrie (VDA)
Export braucht Logistik:
Ein starkes Industrieland wie Deutschland braucht eine starke Logistikwirtschaft. Durch die internationale Verflechtung der Produktions- und Transportketten, die eine Rund-um-die-Uhr-Lieferung von Gütern und Ersatzteilen erfordert, nimmt die Bedeutung der Luftfracht weiter zu. Drei Viertel der Wertschöpfung eines Autos erfolgen weltweit durch Zulieferer. Die Teile werden just in time angeliefert. Die Vorteile der Luftfracht, gerade auch bei Nachtflügen, sind wesentlich für die Flexibilität, auf die die Autoindustrie angewiesen ist, um eine effiziente Fertigung zu gewährleisten. Die Exportnation Deutschland muss ihre Luftverkehrsknoten nachts geöffnet halten, sonst wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieses Automobilstandortes gefährdet. Die vorläufige Schließung des zentral gelegenen Frankfurter Flughafens während der Nacht ist das falsche Signal für die Industrie und ihre Handelspartner weltweit.