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Raus aus dem Sessel!

Mehr Mut, die eigene Stimme für sinnvolle Mobilitätsprojekte zu erheben, erwartet der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) von den Bürgern.

Heiner Rogge vom DSLV

Heiner Rogge, Hauptgeschäftsführer des DSLV

Die Situation ist paradox: Deutschland ist Logistikweltmeister und mit Abstand die wichtigste Verkehrsdrehscheibe in Europa. Die Branche erzeugt eine enorme volkswirtschaftliche Wertschöpfung, mehrere Millionen Arbeitsplätze werden gesichert und ständig neue geschaffen. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung führen zumeist Gegner der Verkehrsprojekte das Wort. Aktuelle Stichworte hier: steigende Proteste gegen Nachtflüge oder die Auseinandersetzungen um das Bahnprojekt Stuttgart 21. „Wir alle nehmen gern am Verkehr teil und verlangen eine moderne Infrastruktur für unsere Mobilität, aber bitte nicht dort, wo wir wohnen“, illustriert Hauptgeschäftsführer Heiner Rogge vom DSLV das gespaltene Verhältnis vieler Bürger zu diesem Thema.

Die schweigende Mehrheit, ist sich der Verbandsvertreter sicher, muss aus dem bequemen Sofa kommen und sich öffentlich wahrnehmbar artikulieren. Rogge wörtlich: „Viele verhalten sich wie Wähler, die nicht zur Wahl gehen, dann aber nachträglich über politische Entscheidungen lamentieren.“ Deshalb müsse ein kräftiger Ruck durchs Land gehen, lautet der Aufruf des DSLV-Chefs, um die infrastrukturellen Rahmenbedingungen des Logistikstandorts Deutschland zu sichern und weiter auszubauen. Sonst drohe Stillstand und damit Rückschritt – auch für den Fracht-Konsolidierungsknoten Frankfurt sollte das Leipziger Bundesverwaltungsgericht Nachtflüge verbieten oder stark einschränken. Rogge betont: „Als DSLV erwarten wir, dass ein gewisses Kontingent an nächtlichen Flügen weiterhin ermöglicht wird und die Richter kein generelles Verbot für den Flughafen verhängen.“ In diesem Zusammenhang erinnert der DSLV-Chef, der zugleich auch Generalsekretär der internationalen Spediteursvereinigung FIATA ist, an die hohen Investitionen, die Logistikunternehmen in der Frankfurter CargoCity Süd getätigt haben – dies in der Erwartung, dass der Luftfrachtverkehr nicht durch politische Entscheidungen oder richterliche Beschlüsse zeitweise zum Erliegen kommt. „Ein totales Nachtflugverbot würde die über Rhein-Main laufenden interkontinentalen Logistikketten zerreißen, speziell auf den Routen von Ostasien nach Frankfurt und von dort in die USA“, warnt Rogge. Für den Fall sieht er drei Negativfolgen:

  • den massiven Bedeutungsverlust Frankfurts als Logistikstandort
  • die Vernichtung des enormen Kapitals, das Spediteure, Airlines und Abfertigungsunternehmen dort investiert haben
  • den Verlust vieler Jobs

Der Flugverkehr habe in den zurückliegenden Jahren zwar deutlich zugenommen, gleichzeitig sei er durch technische Neuerungen viel leiser geworden, sagt Rogge. Statt strikter Verbote plädiert Deutschlands oberster Spediteur für differenzierte Lösungen bei kontroversen Verkehrsfragen. Zum Beispiel Bonusregelungen der Airports, um den Einsatz leiserer Flugzeuge finanziell zu begünstigen. Sehr laute Flugzeuge würden sich für die Betreiber dann nicht mehr rechnen. „Dies wäre eine sowohl marktwirtschaftliche als auch den Luftverkehr stark lenkende Maßnahme“, lautet ein zentraler Vorschlag Rogges für ein besseres Miteinander von Flughafenanliegern und wirtschaftlichen Nutzern der Airports.

Ein Vorhaben, an dem der DSLV aktiv mitfeilt – etwa durch seine Mitgliedschaft im kürzlich gegründeten „Förderverein zur Unterstützung der Vermarktung des Logistikstandorts Deutschland“. Dessen zwölf Teilnehmer vertreten verkehrsübergreifend die Interessen der gesamten Transportbranche national und international im Einklang mit ökologischen Zielvorgaben, wie etwa der Reduzierung von CO2-Emissionen durch Lkw, Schiffe, Flugzeuge und Bahnen. Auch gegenüber der Bundesregierung, die zu den Unterstützern des Fördervereins zählt, werden die Forderungen deutlich gemacht, etwa durch den Appell an den Berliner Gesetzgeber, das Luftverkehrsgesetz zu ändern, um wirtschaftliche Interessen dem Ruhebedürfnis von Flughafenanliegern, wie im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart, rechtlich gleichzustellen.

Der 1950 in Werne an der Lippe geborene Heiner Rogge steht gleichzeitig drei Verbänden vor: Er ist seit 2003 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), seit 2008 Generalsekretär des Comité de Liaison Européen des Commissionaires et Auxilliares du Marché Commun (CLECAT), dem europäischen Verbindungskomitee des Speditions- und Lagerei-Gewerbes, sowie seit 2009 Generalsekretär der internationalen Fédération Internationale des Associations de Transitaires et Assimiliés (FIATA), der Internationalen Föderation der Spediteurorganisationen.