Asien entwickelt sich zum Luftfahrtriesen – auch beim Transport von Fracht.
Dieter Oppel dürfte sich am 26. Juni die Hände gerieben haben. Denn der Geschäftsführer des Bodendienstleisters International Cargo Centre Shenzhen (ICCS) kann sich auf künftige Zusatzgeschäfte freuen, und zwar durch den Billigflieger Air Asia. Der kündigte auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget eine Massenbestellung von 200 Maschinen der geplanten Baureihe Airbus A320neo an. Medienberichten zufolge könnte ein Anschlussauftrag über 100 weitere Jets dieser Fertigungsserie folgen. Für Oppel und seine ICCS bedeutet das mehr Umsatz, denn Air Asia wird mit seiner wachsenden Flotte den Flughafen Baoan in Shenzhen häufiger im Passagierdienst anfliegen. Schon jetzt bietet die rapide wachsende Gesellschaft zwei Verbindungen zwischen der südostchinesischen Metropole am Perlfluss und Zielen in Malaysia an. – Gut für den Luftfrachtabfertiger ICCS, der zu jeweils 50 Prozent der Lufthansa Cargo und dem örtlichen Flughafen gehört, weil der Discounter zu dessen Kundenstamm zählt. „Auf den beiden Flügen von Air Asia verladen wir täglich zwischen zweieinhalb und drei Tonnen Fracht“, berichtet Oppel.
Zwar habe Air Asia auf dem Pariser Luftfahrtsalon Le Bourget für die dicksten Schlagzeilen gesorgt. Doch auch andere hätten das Scheckbuch gezückt. Etwa die indische IndiGo, die 180 Kurz- und Mittelstreckenflieger von Airbus orderte. Oder Singapore Airlines und Cathay Pacific, die beide jeweils 15 A330 bestellt haben. Zudem hatte Korean Air schon Tage vor Beginn der Show den Kauf von fünf A330 verkündet.

Dieter Oppel, Geschäftsführer des Bodendienstleisters International Cargo Centre Shenzhen (ICCS)
Alles in allem erwies sich die Veranstaltung als Heimspiel für Airbus. Kam Boeing auf 138 Verkäufe oder Optionen, verbuchte der europäische Hersteller 730 Flugzeugaufträge für seine verschiedenen Baureihen – ein absolutes Rekordergebnis!
Bemerkenswert ist dabei die Herkunft der Käufergesellschaften. Vorwiegend sind es in Asien beheimatete Fluglinien, die für pralle Auftragsbücher bei Airbus und Boeing, aber auch Bombardier oder Embraer sorgen. Die Käufer reagieren damit auf die wachsende Schicht kaufkräftiger Einwohner in Ländern wie China, Indien, Malaysia oder Südkorea, für die Flugreisen erschwinglich werden und kein Luxusgut mehr sind.
Am Boom von Discountern wie Air Asia ist der Trend deutlich ablesbar: Ende 2011 übernahm Tony Fernandes die überschuldete Airline, um schon im Folgejahr einen Gewinn einzufliegen. Wenig später öffnete sich die Gesellschaft auch für die Mitnahme von Frachtsendungen in den Unterflurkammern ihrer Flotte. Heute fliegen 53 Passagierjets in den rot-weißen Farben der Linie. Weitere 86 Einheiten der Airbus-Serie A320 waren zuvor bereits bestellt, sodass die Gesellschaft einschließlich der in Paris gezeichneten Kaufverträge auf 339 Flugzeuge kommt, wenn sämtliche Bestellungen abgearbeitet sind. Spätestens dann sitzt die vergleichsweise junge Linie in der ersten Reihe der Luftverkehrsgesellschaften.
Stark begünstigt wird diese Entwicklung durch den massiven Ausbau der Bodeninfrastruktur in den meisten Ländern der Asien-Pazifik-Region. Hauptnutznießer sind die dort heimischen Kapazitätsanbieter, egal ob Air Asia, China Cargo oder Hainan Airlines. So plant allein China die Errichtung 97 neuer Flughäfen bis 2020. Kostenpunkt nach Berechnungen von 2008: exakt 61,6 Milliarden US-Dollar (rund 43,3 Milliarden Euro). Bei der Mehrzahl handelt es sich um Airports für den internationalen Passagier- und Frachtverkehr. Nach den Statistiken, die Peking veröffentlicht hat, wird die Anzahl der Fluggäste jährlich um 11,4 Prozent und die Luftfrachttonnage sogar um 14 Prozent zulegen. Noch liegen nicht alle Planungsdaten für dieses gigantische Infrastrukturprogramm auf dem Tisch, vor allem hat die Regierung noch keine Liste zukünftiger Standorte vorgelegt. Ihr Hauptanliegen ist aber, die Mitte und den Westen des Landes besser an den Luftverkehr anzubinden. Das Thema Nachtflugverbot wird in dem Programm übrigens mit keinem einzigen Wort erwähnt. Doch auch im Osten des Landes tut sich was: So bekommt die rund 16 Millionen Einwohner zählende Metropole Shenzhen gerade eine zweite Start- und Landebahn. Die Autobahn zwischen Guangzhou und Hongkong, die gerade gebaut wird, führt mit einer Abzweigung direkt zum Airport Baoan. „Das wird hier den Frachtumschlag deutlich erhöhen, da die umliegende Provinz Guangdong das Produktionszentrum Chinas ist“, erläutert Manager Oppel. Die Folgen sind absehbar: mehr Cargo für Air Asia, Jade, Shenzhen Airlines, Eva Air und die anderen Kunden des Umschlagzentrums ICCS.