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Christian Labrot

Christian Labrot, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Wirtschaft, Verkehr und Logistik e.V. (BWVL)

BWVL zitiert Goethe

„Amerika, du hast es besser“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seinen 1827 erschienenen „Zahmen Xenien“. Der Erkenntnis des Altmeisters kann sich Christian Labrot, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Wirtschaft, Verkehr und Logistik e.V. (BWVL), nur anschließen. Zumindest wenn man direkt vergleiche, in welchem Ausmaß beide Länder Dienstleistungen wie Logistik und Transportwesen grundsätzlich akzeptierten. In den USA, aber beispielsweise auch bei unserem direkten Nachbarn, den Niederlanden, hätte die überwiegende Mehrheit der Bürger eine weit positivere Einstellung zu diesem Themenkomplex, so Labrot. Hierzulande bestimmten dagegen politische Bedenkenträger und verängstigte Bürger den Gang der Entwicklung. In den meisten Ländern sei den Beschäftigten eines Logistikunternehmens die gesellschaftliche Anerkennung gewiss. In Deutschland, hat Labrot festgestellt, kann man als Mitarbeiter dieser Branche nicht unbedingt punkten. Eine Einstellung, die verwundere, wenn man bedenke, wie positiv ein Gut wie Mobilität in Deutschland besetzt sei und das Land schon mehrfach Exportweltmeister war.

Das reibungslose Zusammenwirken aller Verkehrsträger sei die Voraussetzung dafür, dass die Mobilität von Personen und der Austausch von Gütern weiterhin reibungslos funktioniere – und dadurch Arbeitsplätze sichere, so Labrot. Es handele sich um einen intermodalen Prozess, der vom Lkw über die Bahn oder das Schiff bis zum Flugzeug reiche, führt der Manager aus. Was geschehe, wenn ein Glied innerhalb dieser komplexen und fein verzahnten Kette ausfalle, hätten die Flugverbote sehr anschaulich gezeigt, die der Island-Vulkan in großen Teilen Europas bewirkt habe. Produktionsanlagen hätten stillgestanden, weil der Nachschub ausblieb, und schon nach wenigen Tagen habe es Versorgungsengpässe gegeben: Stillstand als Folge eines Naturprozesses.

Umso bemerkenswerter sei dagegen der seit Jahrzehnten währende schleppende Fortschritt bei Projekten zur Entwicklung des Verkehrs und der Infrastruktur in Deutschland. Er sei politisch bedingt, weil entsprechende Themen auf der Agenda der Entscheidungsträger oftmals weit unten ständen – einfach deshalb, weil die gesellschaftliche Widerstände erwarteten. „Unsere gesamte Verkehrsinfrastruktur fahren wir seit Jahren auf Verschleiß“, kritisiert der BWVL-Chef die Zustände.

Einher gehe der mangelnde Erneuerungswille mit fehlgeleiteten Entwicklungen. Dazu gehörten beispielsweise:

  • die zunehmende Einschränkung von Nachtflügen oder völlige Flugverbote in den Nachtstunden an großen Verkehrsflughäfen
  • die seit Anfang Januar in Deutschland geltende Passagiergebühr bei Flugreisen
  • die jüngste Initiative des Verkehrskommissars der Europäischen Union, Siim Kallas

Kallas zum Beispiel plane, bis 2030 insgesamt 30 Prozent jenes Straßengüteraufkommens auf die Bahn umzuschichten, das über Strecken von mehr als 300 Kilometer Entfernung befördert werden müsse. Zudem solle die Schiene grundsätzlich auch noch Luftverkehre bis 1.000 Kilometer übernehmen. Solche Vorgaben des Brüsseler Weißbuchs klängen für die Öffentlichkeit immer gut und ehrgeizig. Doch die Sache habe einen gewaltigen Haken: Um die von Kallas verkündete Vision praktisch umzusetzen, müssten völlig neue transeuropäische Trassen gebaut werden. Wer sie bezahlen solle, wisse keiner. Vom erwarteten Protest der betroffenen Anlieger ganz zu schweigen.

Dirigistische Eingriffe in den Verkehr, hebt Labrot hervor, sollten besser weitgehend unterbleiben. „Mobilität ist eine der Grundfesten, auf denen wir stehen.“ Und wenn schon eingegriffen werde, wie bei der Mauterhebung oder der Fluggastgebühr, sollten die Einnahmen, die daraus dem Staat zuflössen, zweckgebunden für das Transportwesen und den Ausbau der Infrastruktur verwendet werden – und nicht wie heute üblich zur allgemeinen Sanierung der Haushalte.

Ein Kernanliegen seines Verbands sei außerdem, fährt Labrot fort, „die freie Wahl der Verkehrsmittel sowie deren Nutzung unter marktwirtschaftlichen, deregulierten Bedingungen“. Mit Blick darauf warnt Labrot vor Planspielen der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die kürzlich öffentlich bekundet wurden, nach denen die Betriebszeiten des Köln/Bonner Flughafens beschränkt werden sollen. Sollte es dazu kommen, drohe eine Abwanderung der Billigflieger nach Holland oder Belgien, wo Flughäfen wie Maastricht, Lüttich und Amsterdam rund um die Uhr geöffnet seien. Dasselbe gelte für die Cargobranche, die sich neue Standorte außerhalb Deutschlands suchen werde. „Ein Drehkreuz kann nur dann wirklich reibungslos funktionieren, wenn es von allen Verkehrsträgern zeitlich unbeschränkt nutzbar ist.“ Beispiele seien die Flughäfen Louisville und Memphis in den USA, die von UPS beziehungsweise FedEx als zentrale Umschlaghubs genutzt würden. Bedingungen, die beide Paketdienste auch in Köln/Bonn vorfänden, lobt Labrot. Jedenfalls zurzeit noch.