Völlige Nachtruhe am Himmel ist schön, aber in einer mobilen Gesellschaft unrealistisch. So die Grundsatzposition des BARIG. Das ist der in Frankfurt ansässige Fluglinien-Verband Board of Airline Representatives in Germany e.V. Er vertritt 104 Mitgliedsgesellschaften, von der großen Linie Lufthansa bis zum kleinen Frachtflieger Nightexpress. Zusammen beschäftigen diese Unternehmen am Standort Deutschland derzeit 103.000 Mitarbeiter, Tendenz weiter steigend. „Was wir hierzulande dringend brauchen, sind praktikable Nachtflugregelungen“, wirbt BARIG-Geschäftsführer Martin Gaebges für einen gesellschaftlichen Konsens. Leider gingen, bedauert der Manager, jüngste Entscheidungen hiesiger Gerichte nicht in diese Richtung. Statt die wirtschaftlichen Interessen von Fluglinien, Airportbetreibern, Exporteuren und Reiseveranstaltern angemessen bei der Entscheidungsfindung in Sachen Nachtflugregelungen und Betriebszeiten von Flughäfen angemessen zu berücksichtigen, hätten diese meist das Interesse von Flughafenanliegern nach ungestörtem Schlaf als höherrangiges Gut bewertet. Dass derartige Urteile auch die Jobs jener Beschäftigten gefährdeten, die nachts Paletten für Luftfrachtfluglinien bauten oder sich um die Abwicklung des Ferienflugverkehrs sorgten, spiele für die Juristen offenbar nur eine Nebenrolle, kritisiert Gaebges den vorherrschenden Trend in der aktuellen Rechtsprechung. „Als Airline-Verband verlangen wir von den politischen Entscheidungsträgern und der Justiz, dass die Anliegen der Luftfahrtindustrie genau so ernst genommen werden, wie die Lärmschutzbedürfnisse der Bürger“, betont Gaebges.

Geschäftsführer Martin Gaebges von BARIG, dem Board of Airline Representatives in Germany e.V.
Es gehe hierbei nicht um ein Ja oder Nein zu Nachtflügen, sondern um eine praktikable und rationale Verkehrsregelung in der Zeit zwischen Mitternacht und frühmorgens, ergänzt der Manager. Angewiesen darauf seien sowohl Ferienflieger, Luftfrachttransporteure als auch Expressflieger.
Beispiel Touristik-Airlines: Sie benötigten möglichst frühe Start- und späte Landezeiten auf den hiesigen Flughäfen, um mehrere Umläufe zu ihren Ferienzielen zu realisieren. „Nur wenn ein Flieger in der Luft ist, verdient die Haltergesellschaft damit Geld“, erinnert Gaebges an ein betriebswirtschaftliches Grundprinzip. Davon betroffen wiederum sei eine Vielzahl von Jobs. Ähnlich verhielte es sich bei der Luftfracht oder im Expressverkehr. „Die von hiesigen Firmen heute hergestellten Exporte können nur morgen am Zielflughafen sein, wenn sie nachts abgeflogen werden“. Angesichts der internationalen Arbeitsteilung und der Verzahnung der globalen Märkte seien solche Laufzeiten für hochwertige und eilige Güter unabdingbar, will die deutsche Wirtschaft konkurrenzfähig bleiben.
Lebensqualität definiere sich laut BARIG nicht nur als Alltag ohne jeden Fluglärm. Stattdessen zählten dazu ebenfalls gesicherte Arbeitsplätze sowie ein regelmäßiges Einkommen der Menschen. Es gehe um ein ganzheitliches Paket, das Kompromissbereitschaft bei allen Beteiligten erfordere.
Als Konsenslösung macht sich der Verband für notwendige Nachtflüge bei gleichzeitiger Verbesserung von Lärmschutzmaßnahmen und optimierten Anflugverfahren stark. Dank des so genannten gekrümmten Anflugs (segmented approach) könnten dicht besiedelte Gebiete im Umfeld Rhein-Mains sowie anderer Airports, etwa des kommenden Berliner Airports BBI, ausgespart bleiben. Was Frankfurt angeht, arbeitet BARIG zwecks Umsetzung dieser Maßnahmen mit dem Ziel der Lärmminimierung im Forum Flughafen und Region mit. Dieses Gremium, in dem Interessenverbände, Unternehmensvertreter, Mitglieder von Bürgerinitiativen sowie Angehörige diverser Kommunen vertreten sind, wurde in Folge des Mediationsverfahrens zum Bau der Landebahn Nord-West auf Rhein-Main eingerichtet.
Zugleich ist seine Organisation Mitbegründer der Initiative „Die Fracht braucht die Nacht“. Wie Gaebges ankündigt, werden einige der BARIG-Airlines als Einzelunternehmen der Vereinigung in Kürze beitreten, um sich für praktikable Nachtflugregelungen auf deutschen Flughäfen stark zu machen.
Martin Gaebges, BARIG Generalsekretär
Der studierte Luft- und Raumfahrttechniker (RWTH Aachen) begann 1977 seine berufliche Laufbahn bei der Deutschen Lufthansa AG im Bereich Flugbetriebstechnik. Nach verschiedenen Aufgaben in Linienfunktionen der Airline wechselte er in den Bereich Strategische Konzernentwicklung und -organisation.
Seit 1999 ist Gaebges Generalsekretär des BARIG, der Vereinigung von mehr als 100 nationalen und internationalen Fluggesellschaften in Deutschland und damit der weltgrößte nationale Airline-Verband. Zugleich arbeitet der Manager in Frankfurt im Expertengremium Aktiver Schallschutz und im Forum Flughafen und Region mit. Gaebges (Jg. 1949) ist Mitglied des Begleitkreises Lärmwirkungsstudie und der Kommissionen zur Bekämpfung des Fluglärms in Deutschland. Er ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.