Immer mehr Verkehr zwischen Europa und Asien läuft über den Istanbuler Flughafen. Auch wegen dessen Öffnung rund um die Uhr. Die Zukunftsprognosen stehen klar auf Wachstum.
Serkan Demirkan schüttelt den Kopf. „Nachtflugverbote? Doch nicht hier bei uns!“ Mit „bei uns“ meint der Geschäftsführer der türkischen Luftfracht-Vertriebsagentur Skyline Air Services den Istanbuler Atatürk Airport. Auf europäischer Seite des Bosporus gelegen, ist er eingebettet in dichte Wohnbebauung. Expandieren kann Atatürk daher nicht, höchstens nach innen wachsen. Rund 30 Millionen Fluggäste sind dort 2009 ein- oder ausgestiegen. Bis 2015 sollen es laut Prognose bereits 50 Millionen sein. Entsprechend zweistellig wächst der Cargo-Umschlag, der 2009 bei 825.000 Tonnen lag.

Ein Airport auf dem Vormarsch. An historischer Schnittstelle zwischen Okzident und Orient gelegen, mausert sich Atatürk zu einer interkontinentalen Drehscheibe von Format. Und damit still und leise zum Konkurrenten für die Flughäfen in der Golfregion, vor allem von Dubai und Abu Dhabi. Aber auch für Frankfurt, Paris oder Amsterdam, weil Langstreckenverkehr zunehmend über den Umsteigeplatz Istanbul abgewickelt wird. Ein Angebot für Reisende und Luftfracht.
Treiber ist vor allem die Linie Turkish Airlines mit ihrer rapiden Flotten- und Netzwerkausweitung. Allein in Deutschland bedient die Gesellschaft neun Flughäfen und bietet 220 Abflüge pro Woche an. Hinzu kommen Frachtverkehre aus Frankfurt und Köln/Bonn.
Die Riesenmetropole mit ihrer boomenden Industrie ist ein eigenständiger Markt; in der Türkei leben 72 Millionen Menschen und mit Kasachstan, Turkmenistan oder Tadschikistan gibt es ein weitläufiges Hinterland, dessen Volksgruppen seit jeher enge Beziehungen zur Türkei unterhalten. Statt wie früher zwangsweise in Moskau umsteigen zu müssen, tun sie das heute lieber in Istanbul.
Die Bosporus-Metropole als neuer Luftfahrtstern am östlichen Rand Europas, wie weiland Byzanz respektive Konstantinopel? – Der Verkehrstrend zeigt in diese Richtung: Zubringershuttle aus Deutschland, Frankreich, Holland oder der Schweiz, zum Airport Atatürk, dort Transfer auf die Langstrecke nach China oder Japan: Immer mehr Reisende wählen diese Option. Gleiches gilt für die Luftfracht, die rund um die Uhr durch Istanbul geschleust wird. Flieger – Frachthalle – Flieger, lautet für Transitsendungen der Dauertakt. „Wir stehen erst am Anfang einer sehr steilen Entwicklung“, ist sich Skyline-Chef Demirkan sicher. Zumal ab 2010 eine Schnellbahn den Flughafen Atatürk mit dem auf anatolischer Seite gelegenen Airport Sabiha Gökcen verbinden soll. Spätestens mit Abfahrt des ersten Zugs verfügt Istanbul dann über ein sich ergänzendes Flughafensystem, das Wachstum auf viele Jahrzehnte ermöglicht. Denn anders als Atatürk ist Sabiha Gökcen nicht von Bebauung umgeben und kann daher expandieren, falls die Verkehrsnachfrage dies erfordert. Zumal es auch dort, betont Frachtmanager Demirkan, keine Nachtflugeinschränkung gibt.